day 169 [17.07.]

Zum Glück konnte ich heute gut schlafen und war das erste Mal seit langen irgendwie nicht müde, als ich aufgewacht bin. Ich hätte nicht erwartet so gut schlafen zu können, schließlich stand der Tattootermin heute an. Jedenfalls hab ich dann gemütlich gefrühstückt und mich fertig gemacht, bis ich dann auch schon losmusste. Da Caro heute nicht konnte (morgen, wo es eigentlich geplant war, hätte sie Zeit gehabt), musste ich ganz alleine hin, toll und das beim ersten Tattoo. Um nicht vor Aufregung zu sterben hab ich deshalb auch Bachblüten mitgenommen und natürlich auch genommen. Insgesamt war ich aber erstaunlich wenig nervös und hab‘ mich mehr drauf gefreut, schließlich ist es etwas, was ich schon lange haben möchte und dementsprechend schon länger in Planung ist. Vorrausdenkend wie ich war, hab ich auch einen Regenschirm mitgenommen… Spoiler an der Stelle: es hat natürlich den ganzen Tag nicht geregnet und hab ihn komplett umsonst mit rumgeschleppt. Auch läuft heute mein Commuter Pass ab, das heißt, ab morgen muss ich wieder jeden Tag den teuren Liner einzeln zahlen. Dafür muss ich dann auch nur noch eine IC-Karte verwenden. Kurz bevor ich dann in Harajuku ankam, kickte die Nervosität dann doch, weshalb ich natürlich erst mal meine Social Media Accounts damit zuspamen musste. Hatte ja keine reale Person bei mir, die ich damit nerven konnte. Diesmal wusste ich ja dann auch, wo ich hin musste und hab das entspechende Haus auch schnell gefunden. Angekommen wartete der Tätowierer auch schon auf mich. Mir wurde er gelich sympatisch, als ich die Kistenweise Copics in der einen Ecke stehen sa, mit denen bestimmt die haufenweise Zeichnungen, die im Raum hangen, coloriert wurden. Wir haben uns dann hingesetzt und erstmal eine ganze Weile über das Motiv geredet. Ich wollte einen Satz, natürlich auf Japanisch, tätowiert haben. Diesen hatte ich auch schon vorbereitet übersetzt mitgebracht, nur machte er im Japanischen nicht ganz so viel Sinn wie im Deutschen oder Englischen. Also haben wir bestimmt noch eine dreiviertel Stunde (ich hab nicht auf die Uhr geguckt) diskutiert, gesucht und geguckt, bis wir dann eine bessere Übersetzung (ein Wort musste ausgetauscht werden) gefunden haben, die sowohl meine eigentliche Intention traf, als auch wo er meinte, dass es schön im Japanischen klingt. Genau deshalb bin ich froh, es hier in Japan lassen zu machen, den ein deutscher Tätowierer hätte mir es natürlich reingestochen, aber die Bedeutung nicht gewusst. Nachdem wir dann den Statz hatten, wurde noch kurz über Schriftart und die Größe geredet und geguckt, welche gut aussieht, ehe es dann auch schon ernst wurde. Nachdem dann die Stelle rasiert, desinfiziert und gereinigt, sowie die Skizze aufgetragen wurde, hatte ich dann plötzlich auch schon die Nadel in der Haut. Beim ersten Mal musste ich mich so zusammenreißen, nicht zusammenzuzucken, aber ab da ging es dann… natürlich nicht schmerzfrei. Es fühlt sich halt so an, als würde ein spitzer Gegenstand immer wieder über die Haut kratzen oder sogar schneiden und vielleicht hab ich mir auch nicht die unempfindlichste Stelle ausgesucht. Schneller als gedacht war es dann aber schon vorbei und die Tinte unwiderruflich unter meiner Haut gefangen. Während des ganzen Prozesses war ich erstaunlich ruhig und kaum nervös. Ich denke, da hat die lange Zeit der vorhergenden Überlegung, sowieso das Reden mit dem Tätowierer einiges geholfen. Auch war der Tätowierer ein sehr ruhiger, entspannter und sympatischer Typ. Anschließend wurde dann das Tattoo mittels (ich glaube) Kompresse abgedeckt, also wer ein Bild will, muss bis morgen früh abwarten. Bezahlt, bedankt und dann war ich auch schon wieder draußen, eineinhalb Stunden später… Irgendwie wow? Jetzt bin ich also tätowiert, meine kiminelle Kariere kann beginnen. Da ich dan sowieso schon in Harajuku war, konnte ich auch gleich meine noch offene Besorgung hier erledigen, also bin ich mal wieder die Omotesando street runter gelaufen, um zum Line Friends Store zu kommen. Ich werd‘ ihn vermissen. Somit hab ich also jetzt die bestellte Spardose für meine Schwester. Anschließend hab ich mich dann auf die Suche nach einen Starbucks begeben und bin daher etwas ziellos durch Harajuku geirrt, während ich etlichen Leuten, die herausgefunden haben, dass ich beim Tätowierer war, Sprachnachrichten und Erklärungen geschickt habe. Anschließend hab ich mich auch schon wieder auf den Weg nach Hause gelaufen. Und hOLY auf dem Weg zur Harajuku Station ist mir der wohl gutaussehendste Typ den ich je im realen Leben gesehen habe über den Weg gelaufen. Er sah einfach aus wie Park Jimin, bloß mit ein bisschen mehr japanischen Gesichtszügen, und ungefähr einen Kopf größer als ich. Er stach richtig aus der Menge raus und das in Harajuku! Sad thing daran ist, ich werde ihn nie wieder ihm Leben sehen. Wieder im Guesthouse angekommen hab ich mir dann etwas zu Essen gekocht und den Abend wie jeden anderen enden lassen.

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