Irgendjemand oder wohl eher irgendetwas ist heute früh wie bekloppt durch unser Dorm gerannt und hat bestimmt jede Ecke und Wand mitgenommen, bei der Geräuschkulisse und der anzuhörenden Geschwindigkeit. Dadurch geweckt zu werden, hat natürlich die Laune gleich angehoben kappa. Etwas müde und hunrig hab ich mich dann, nach einigen Minuten weiter im Bett rum liegen, dazu entschieden, doch in die Küche zu gehen, um etwas gegen den Hunger zu unternehmen. Doch sobald ich die Tür zur Küche geöffnet habe, wurde ich sogleich von dem morgigen Geräuscheverursacher angesprungen. Es war, ich ich schon vermutet hatte, Tera-sans Hund. Da ich Hunde sowieso schon nicht sooo doll leiden kann (ich bin nunmal ein Katzenmensch), war der morgen dadurch nur noch mehr ruiniert, denn diesem Hund mangelte es leider ein bisschen an Erziehung. Dementsprechend hab ich schnellstmöglichst gefrühstückt, um dann wieder in mein Zimmer flüchten zu können. Dort blieb ich dann eigentlich auch den ganzen Tag und bis auf eine Serie anzufangen und die auch noch bis abends zu beenden habe ich nicht wirklich was gemacht. Produktivität wurde auf morgen verschoben.
Dafür gibt’s jetzt einen kleinen Ausflug in die japanische Sprache…
Was mir schon länger aufgefallen ist, ist dass man teilweise an der Sprache bzw. der Bedeutung der Wörter sehen kann, wie eine Kultur so drauf ist. Das beste Beispiel hierfür wäre zum Beispiel das japanische Wort für schön: きれい(kirei), denn dieses bedeutet neben „schön“ nunmal auch „sauber“. Heißt, wenn etwas sauber ist, ist es hier automatisch auch schön. Also sind Ordung/Sauberkeit und Schönheit hier miteinander verbunden. Ich finde es immer interessant, wenn ich wieder ein Wort, mit so einer doppelten Bedeutung lerne. Weitere Beispiele (die ich hier schon erwähnt hatte) sind かわいい (kawaii) = „süß“, „charmant“, aber auch in gewissem Sinne „jung“ und かこいい (kakoii) = „cool“ und „attraktiv“.
Ich hab ja schon öfter erwähnt, dass mein Japanisch nicht wirklich gut ist. Das hat natürlich den Hauptgrund, das ich noch nicht so lange diese Sprache lerne und hier in Japan tatsächlich effektiv nicht wirklich voran komme. Der zweite Grund ist, gerade bei der Verbformen, dass man in den Sprachschulen eine andere Form lernt, als hier tatsächlich gesprochen wird. Klingt vielleicht ein bisschen komisch, hat aber seine Berechtigung. In den Sprachschulen lernt man zuerst das keigo. Das ist eine sehr höfliche Form in der japanischen Sprache, mit der man in keiner Situation zu unhöflich ist. Leider ist man mit der Form im Alltag zu 95% überhöflich, da normalerweise kein Japaner alltäglich so spricht, erst recht nicht hier auf dem Land. Deshalb kann ich hier ein großen Teil meines gelernten Japanisch vergessen, bzw. kann noch mal neu lernen. Mal ein Beispiel dazu: das Verb „essen“… Die normale Form für „essen“ im Sinne von ich esse, wäre in der keigo-Form 食べます (tabemasu) bzw. 食べています (tabeteimasu) wenn man ausdrücken möchte, dass man jetzt gerade ist. In der normalen Form, welche häufig auch als Wörterbuchform bezeichnet wird, wäre „essen“ 食べる (taberu), was aber gleichzeitig mit der richtigen Betonung auch „möchtest du essen?“ bedeuten kann. Die Frage in der keigo-Form widerrum wäre 食べますか (tabemasuka). Es gibt natürlich noch weitere Formen wie „ich möchte essen“ 食べたい (tabetai), „es ist ok zu essen“ 食べいいよ (tabeiiyo) oder „iss“ 食べて (tabete), aber die kenne ich nur in der „unhöflichen“ Variante. Von den Verganenheitsformen möchte ich gar nicht erst anfangen, denn da Blicke ich selber nicht ganz durch. Man sieht also hoffentlich, das durch diese ganzen unterschiedlichen Höflichkeitsstufen und Formen es manchmal echt schwer ist, da durch zu blicken. So versteh ich oftmals zwar den Inhalt des Verbes, da der Stamm ja meistens annähernd gleich ist, aber nicht, was die Leute von mir wollen, ob ich zum Beispiel schon gegessen habe, noch essen werde, oder essen möchte. Noch schlimmer wird es dann, wenn ich versuche, spontan etwas auszudrücken, weil dann muss mein Gehirn erstmal sämtliche Formen herauskramen, überlegen, was sie bedeutet, wie man sie bildet und ob sie entsprechend höflich sind. Also endet es meistens damit, dass ich aufgebe, weil ich echt keine Plan habe, welche denn nun die passende Form ist. Zumal weil ich die normalen Formen der Verben nie wirklich gelernt habe und sie deshalb nur nach hören und nachmachen benutzen kann. Zum Glück kennt das Japanische dagegen nur zwei Zeitformen…