Erstaunlich wach bin ich diesen Morgen aufgestanden. Weg war der ganze Trübsal von gestern und es stand eher Tatendrang an. auch wenn der durch die Arbeitsumtände ein bisschen eingeschränkt war. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass heute endlich der letzte Tag senbetsu war. Den letzten Abschnitt davon erledigten wir sogar nur zu viert, während der Rest schon mit anderen Dingen anfing. Unter anderen haben wir heute auch erfahren, das Tera-sans Lieblingswort in der deutschen Sprache „Bitteschön“ ist. Er findet es vor allem wegen der eigentlichen Wortbedeutung cool. Im Japanischen gibt es natürlich auch ein Wort für Bitte (nicht im Sinne von bitten, sondern als Antwort auf eine Gefälligkeit), welches どぞ (dozo) wäre. Schön wäre きれいい (kireii). Allerdings ist die höflichere Form von „bitte“ im Japanischen どいたしまして (doitashimashite), was, soweit ich weiß, keine eigene weitere Wortbedeutung außer ein höfliches bitte hat. Als wir dann endlich fertig mit senbetsu waren, wurden Anni und ich zum Kistenfalten geschickt. Jeyy, Freude kommt auf. Ich hab ja nicht ganz so ein Problem mit Kisten falten (abgesehen davon, dass es halt wie vieles hier nicht gerade Spannung pur ist), aber Anni schon eher. Trotzdem war unser Ziel, an Kisten die wir falten mussten, sehr niedrig gesetzt. Zuerst mussten wir die Schalen (das Gegenteil zum Deckel halt) falten, was auch sehr einfach war, da die Kisten sehr passgenau waren und es somit sehr angenehm war, diese zu falten. Die Deckel, welche wir danach gefaltet haben, waren dann allerding nicht ganz so geil. Das lag vor allem daran, dass eine Seite meist nicht ordentlich durchgestanzt war und sich somit nicht flalten ließ. Ich glaube, nach spätestens den ersten drei Deckeln hätte Anni die gerne an die Wand geschdurchwarenmissen. Ich fand die zwar auch nicht gerade geil, aber alles ist besser als senbetsu. Als wir dann irgendwann mit unserem Ziel durch waren, haben wir eine neue Aufgabe bekommen, und zwar Kisten stempeln! Und ganz ehrlich? Das hat sogar irgendwie Spaß gemacht. Auch wenn ich keine Ahnung hab, was die Stempel bedeuten, was mir in so weit weiterhelfen würde, als dass ich verstehen könnte, weshalb wir denn nur einige Kisten stempeln müssen.

Nach der Arbeit kamen dann abends noch Neshimura-san und Tera-san vorbei, um mit uns allen zusammen eine Vodka-Party zu feiern. Keine Ahnung warum. Vielleicht, weil Anni und ich mal erwähnt hatten, dass wir hier neulich japanischen Kaffee Latte mit Vodka getrunken haben und das ziemlich geil schmeckt, was natürlich keiner geglaubt hat… und vielleicht auch, weil Japaner sehr gerne Alkohol trinken. Neben haufenweise Alkohol hatten sie noch etwas zu Essen mitgebracht, was natürlich auch geil war. So saßen wir dann alle gemeinsam unten am Tisch, haben gegessen getrunken und uns unterhalten. Ich trink hier in Japan einfach mehr als in Deutschland, obwohl ich hier legal nicht mal trinken darf, passiert. Wie eigentlich immer war die Stimmung sehr locker und lustig und das zog sich auch den Größtenteil des Abends. Lediglich Anni ist irgendwann mit Tera-san nach draußne gegangen und kam eine Ewigkeit nicht wieder und das einzige Lebenszeichen war ihr Lachen, was man ab und zu von draußen hören konnte. Das Ganze wurde begleitet von einem grimmig drein (bzw. nach draußen) schauenden Norweger, der angefangen hat, ganz schön viel zu kippen. Ich hab mich währenddessen ziemlich viel mit Mika-san unterhalten, da sie zeimlich gut Englisch spricht und auch in meinem Alter ist. Allerdings war Mika-san schon von Anfang an sehr müde und sie hat sich bloß nicht getraut, als erste die Party zu verlassen. Da ich langsam auch nicht mehr so große Lust auf die Gesellschaft am Tisch hatte (der Rest der Japaner har angefangen, die Zutatenliste von Henriks norwegischer Schokoloade zu lesen und zu erraten, was sich hinter den einzelnen Wörtern versteckt), hab ich dann Mika-san sozusagen ein bisschen an die Hand genommen, ahb mit ihr ein bisschen was vom Tisch weggeräumt und abgewaschen, ehe wir dann hoch und schlafen gegangen sind. Oder eher ins Zimmer gegangen sind, denn müde war ich noch nicht. Ich glaube, sie war mir dafür echt dankbar, weil wer weiß, wie lange die anderen noch Party gemacht haben.
Mitten in der Nacht habe ich dann noch eine sehr entscheidene Mail abgeschickt, dessen Inhalt ich mich allerdings noch nicht traue zu sagen…