Der Tag hat schon äußerst seltsam gestartet. Der Wecker riss mich völlig überraschend aus dem Schlaf und warum auch immer war der einzige Gedanke, der sich schwer in meinem Kopf festsetzte, der, das ich gerade aus einem unglaublichen Abtraum erwacht war. Das Seltsame daran war lediglich, dass ich mich an keinen solchen erinnern konnte. Lediglich die letzten Erinnerungsfetzen eines völlig normalen Traumes (so normal wie Träume nunmal sind) waren noch ansatzweise in meinem Bewusstsein, verflüchtigten aber schon bald darauf. Mit dem Gefühl, als hätte man mich einmal durch den Fleischwolf gejagt und die Masse wieder zu etwas halbwegs menschlichen zusammengesetzt, dabei nur die Attribute für Motivation und Anwesenheit vergessen, schleppte ich mich in meinem komischen halb schlafend, matsche, alles bloß nicht anwesend Stadium in die Küche runter, wo ich dann irgendwie was gegessen habe. Hauptsache um auf Arbeit nicht so schnell Hunger zu bekommen, denn eigentlich war mein Körper nicht auf Nahrungsaufnahme eingestellt. Genauso semi anwesend fühlend wie vorher sind wir dann zur Arbeit gefahren. Im Auto war die Stimmung auch nicht gerade besser. In Stille hin jeder seinen Gedanken an diesem regnerischen Tag hinterher und mir fielen unerstaunlicher Weise die Augen zu. Damit ist das das erste Mal hier, dass ich auf dem Hinweg geschlafen habe, genauso wie der erste Tag, wo ich mich wirklich müde morgens fühlte. Ich hab schon den nächsten freien Tag herbeigesehnt, bis mir dann auffiel, dass der letzte noch gar nicht lange her war. Dementsrechend werden wir nicht so schnell wieder einen bekommen und es heißt wahrscheinlich weiter sehr müde (hoffentlich nicht so kaputt wie diesen Morgen), die nächsten Tage irgendwie hinter sich bringen. Während der Arbeit, die immer noch aus dem verhassten Schönheitssortien bestand, waren meine Augen aber seltsamer Weise nicht ganz so schwer. Trotzdem hätte ich lieber komplett in Stille und dem leichten Gefühl von Melancholie in meinen Gedanken ohne mit jemaden reden zu müssen. Größtenteils hat das auch geklappt, bloß ab und zu musste ich dann doch mit Terra-san ein Wort wechseln, um ihm irgendwelche Wörter und Wortgruppen in der deutsche Sprache beizubringen. Die Müdigkeit verkroch sich, auch wenn ich immer noch nicht wirklich wach war. Mein Gehirn wollte einfach nicht so ganz arbeiten. Auch in den Pausen zog sich diese seltsame Stille weiter, wahrscheinlich auch, da Henrik Kopfschmerzen hatte und es Anni im späteren Verlauf des Tages auch nicht mehr ganz so gut ging. Als dann auch noch mein Arbeitspartner zu jemanden gewechselt wurde, der ungefähr in der doppelten Geschwindigkeit von Terra-san sortiert hat, verabschiedete sich mein Gehirn und ohne richtig die Früchte begutachten zu können, hab ich mein Tempo auch angezogen. Parallel dazu wurden die dumpfen Schmerzen im Rücken immer stärker, aber mein Körper schien sowieso nicht mehr so ganz alles sortieren zu können und es verschwamm eher alles in einer seltsamen indifferenten Blase. Der Tag zog sich einfach nur in die Ewigkeit und während ich mich in der Firma fühlte, als würde ich Zeit veschwenden, wollte ich einfach nur nach Hause um dort nichts zu tun. Nach gefühlt einer doppelten Ewigkeit neigte sich der Tag dann endlich dem Ende zu und gegen 17 Uhr konnten wir dann nach Hause fahren. Wie auf der Hinfahrt herrschte hier auch wieder eine seltsame Simmung, geschwängert von Stille und Insichgekehrtheit der im Auto Anwesenden, welche die ganze Fahrt über kein Wort miteinandergewechselt haben. Der Abend war an sich nicht großartig anders als die vielen anderen normalen Abende, welche wir hier normalerweise hier verbringen. Lediglich als ich eine meiner Haribotüten für jederman zum Essen anbot, wurde die sumpfe Trübheit durchgebrochen. Shouko-san und die Krankenschwester haben dann nämlich erst mal voll Erstaunen die Tüte (es war Colorado) begutachtet, ehe sie etwas davon probiert haben. Sie haben mir dann auch erzählt, dass wenn man mal in Japan Haribos findet, es natürlich nur die Goldbären sind. Die Krankenschwester hat erstmal auch gefühlt jede einzelne Sorte rausgeholt, begutachtet und dann probiert, auch wenn sie allem mit Lakritze etwas skeptisch gegenüberstand. Es war schon lustig, wie sich beide über simple Haribos übel gefreut haben.
day 119 [28.05.]
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